Welche Superkräfte besitzt Du? – Teil 2

Unsere Superkräfte, im Sinne von Begabungen und Kompetenzen, helfen uns auf großen und kleinen Erfolgswellen zu reiten, gleichzeitig führen sie uns aus manch unbequemer Situationen heraus. Mit denselben Kräften manövrieren wir uns jedoch auch hin und wieder selber ins Aus. Nämlich meist dann, wenn wir es nicht schaffen sie in Balance zu halten.

Wenn wir uns mit unserem Verhalten ein „Eigentor“ geschossen haben, zweifeln wir gerne an unseren Begabungen und Talenten. Wir übersehen dann leicht die enorm große Bandbreite, in denen Begabungen zu Tage treten und vergessen sie im Kontext zur gegenwärtigen Ist-Situation zu sehen. Denn eins ist klar! Das Nutzen ein und derselben Superkraft macht nicht immer und überall gleichermassen Sinn.

„Binde zwei Vögel zusammen; sie werden nicht fliegen können, obwohl sie nun vier Flügel haben.“ (Rumi)

Denken und Handeln

Nehmen wir an, Du bist ein Mensch, der gerne tiefgründig und ausführlich über Erlebnisse nachdenkt. Du benötigst viel Zeit und Stille um Deine Wahrnehmungen und Gefühle zu sortieren und Deinen Fokus wieder auszurichten. Als sehr wahrnehmungsoffener Mensch, der sich leicht von Reizen und Erlebnissen „überschüttet“ fühlt, ist dies vielleicht Dein Weg um Werte und Ziele mit Deinem Umfeld abzugleichen und Dauerstress vorzubeugen.

Langes Reflektieren, Nachdenken und Abwägen kann aber auch dazu führen, dass Du ein notwendiges Gespräch nie führen, ein Projekt nie starten und ein anders nie fertigstellen wirst. Oder auch dazu, dass Du Gegebenheiten in Deinem Leben nicht loslässt, obwohl sie Dir viel Kraft und Energie rauben. Sollte Letzteres der Fall sein, so wirst Du Dein Festhalten und Verharren womöglich als Schwäche interpretieren, da andere Menschen offensichtlich schneller in Aktion kommen als Du.

Es mag für Dich also durchaus sinnvoll sein, Deine Entscheidungs-Schnelligkeit zu trainieren. Doch wird es mühsam werden, wenn Du Dich dem Tempo der anderen nur deswegen anpasst, weil Du glaubst dies sei der bessere Weg zum Ziel. Versteht Du dagegen den Sinn und Nutzen Deiner Art Entscheidungsprozesse zu führen, so wirst Du entscheidungsfreudiger agieren können, auch wenn nicht alles bis aufs „Letze“ durchdacht ist.

„Spannst Du eine Saite zu stark, wird sie reißen. Spannst Du sie zu schwach, kannst Du nicht auf ihr spielen.“ (Buddah)

Reden und Schweigen

Manche Menschen durchleben Entscheidungsprozesse gerne alleine, andere sprechen lieber mit Menschen um sich Inspiration und Unterstützung zu holen. Was tust Du?

Sprichst Du gerne mit Menschen über Deine Gefühle und Erlebnisse, weil Dir das gesprochen Wort hilft, Dich selber besser zu verstehen. Frei nach dem Motto: „Irgendwie weiß ich erst was ich denke, wenn ich mich selber reden höre!“ Gleichzeitig bist Du aber auch ein verständiger Zuhörer und verstehst es, andere in ihren Anliegen zu unterstützen.

Was für eine wunderbare Gabe es ist doch, offenen Herzens die eigenen Gedanken und Ideen zu teilen und zudem auf die Anliegen anderer Menschen eingehen zu können. Aber hast Du auch schon mal erlebt, dass Dein Gesprächspartner Dir gebannt zuhört und ihn Deine Worte derart inspirieren, dass er eine Lösung für sein Problem findet und das, obwohl Du nach Inspiration suchtest?

Deine wunderbare Gabe andere Menschen zu inspirieren kam also voll zum Ausdruck, und doch interpretierst Du diese Gabe in erster Linie als „Schwäche“. Du verurteilst Dich dafür „mehr beim Anderen als bei Dir“ gewesen zu sein und fühlst dich „zu kurz gekommen“. Vielleicht glaubst Du sogar, das Gespräch hätte Deinem Anliegen eher geschadet, als da es nützlich war. Wenn dem so ist, kann es tatsächlich sein, dass Du erkennen lernen darfst, wann die Samen Deiner Ideen im Stillen gehegt und gepflegt werden wollen und wann Dir ein Gespräch mit einem Freund oder Bekannten wirkliche Unterstützung bieten kann.

Zwei Dinge sind schädlich für jeden, der die Stufen des Glücks will ersteigen: Schweigen, wenn Zeit ist zu reden, und reden, wenn Zeit ist zu schweigen (Friedrich Martin von Bodenstedt)

Lustprinzip und Disziplin

Wenn Du ein Mensch bist, der lieber nach dem Lustprinzip arbeitet und Du Deine Ziele weniger durch die Umsetzung fremd vorgegebener Arbeitsabläufe erreichst, wirst Du wahrscheinlich die Stimme in Dir kennen die behauptet, dass Du tendentiell undiszipliniert bist und Arbeiten nach dem Lustprinzip eher ineffizient ist.

Glaubst Du dieser Stimme, so wirst Du dem Lustprinzip mehr Schwäche als Stärke zuordnen und beginnst möglicherweise intensiv damit Dir mehr Selbstdisziplin anzueignen. Zweifellos werden Dich jede Art von Regeln, Gesetzen, Tipps und Gründe dabei unterstützen Erfolg und Selbstdisziplin zu etablieren, WENN Du sie tatsächlich umsetzt.

Wirst Du Dich aber im Zuge Deiner Selbstdisziplinierung darauf versteifen, fremd vorgegebene Arbeitspläne einzuhalten, so wirst Du schnell merken, dass Dir Dein natürliches Talent Dinge kreativ, lustvoll und intuitiv zum Leben zu erwecken fehlt. Zudem wird es Dir auch gar nicht so leicht von der Hand geht, wie die anderen es unter Umständen behaupten.

So liegt auch hier die Kunst darin, den Wert beider Wege anzuerkennen. Selbstdisziplin ist ein Kernelement um Ideen umzusetzen und Ziele zu erreichen, ebenso sind aber Beweglichkeit, Intuition und Spaß wichtige Kernelemente.

„Die stärkste Disziplin ist diejenige, die einem seelischen Impuls entspringt.“ (Bertand Russell)

Begabungen, Kompetenzen und Verhaltensweisen können uns je nach Ausprägung und Kontext sowohl dienlich als auch hinderlich sein.

In diesem Zusammenhang finde ich es sinnvoll, mir immer wieder bewusst zu machen, dass:

  • ich entscheide, was mir dient und was mir hinderlich ist. Ich treffe eine Entscheidung weil ich glaube, dass sie mich zum Ziel führt.ich entscheide, welche Begabungen ich wertschätze, respektiere und nutze.
  • ich entscheide ob mich ein Gespräch zu einer Lösung führt.
  • ich darüber entscheide, ob ich mein Verhalten ändern will, weil unsere Gesellschaft ein anderes Bild von Stärke vermittelt. Ich entscheide, wie viel Disziplin ich aufbringe oder wie sehr ich nach dem Lustprinzip lebe um meine Vorhaben umzusetzen.

Warum hören wir nicht damit auf, ständig die Schwächen hinter unseren „Superkräften“ zu suchen? Du magst vielleicht nicht gut in Buchführung sein, so what? Dafür bist Du vielleicht sehr kreativ und flexible und findest schnell andere Wege, damit Deine Buchführung erledigt wird.

Entdecken wir stattdessen lieber in welchen Lebenssituationen ein und derselbe Charakterzug, ein und dieselbe Begabung, Kompetenz oder Verhaltensweise uns dienlich ist und wann hinderlich – ohne sie deswegen zur generellen Schwäche zu degradieren.

Es gibt nie nur einen Weg! Aber es gibt immer nur einen individuellen Weg.

Es ist das individuelle Zusammenspiel der polaren Kräfte, das unser Leben farbenprächtig nuanciert und lebendig macht. Farbe entsteht nicht im Dunkeln und die Sonne selber strahlt kein farbiges Licht aus. Farbe entsteht dann, wenn Licht und Finsternis in der Erdatmosphäre aufeinandertreffen. Dann entsteht die unermessliche Vielfältigkeit und Lebendigkeit, die Farbe in sich trägt.

Und darin entsteht Dein und mein farbenprächtiges Leben – ein Leben, dass wir in der Polarität aller Dinge durchleben und erleben.

Herzliche Grüsse,

Sabine

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