Und was spielst Du heute?

Und was spielst Du heute?

Heute Morgen kam mir ein Satz von Bodo Schäfer in den Sinn: „Es macht einen Unterschied ob ich spiele, um nicht zu verlieren oder ob ich spiele, um zu gewinnen.“

doors-1974014_1280. Pixabay. deDa ich gerne spiele, entschied ich mich heute morgen dazu, mit dieser Frage zu spielen.

„Spiele ich in der jetzigen Situation, um nicht zu verlieren oder spiele ich, um zu gewinnen?

Die Antworten, die sich mir auftun, erfeuen mich zutiefst. Ich bin begeistert, wie schnell sich mit der Frage unbewusste Glaubenssätze ins Bewusstsein holen lassen und Prioritäten und Werte innerlich abgefragt werden können. Zusätzlich erfreut bin ich darüber, dass ich entweder entscheidungsfreudig sofort eine Änderung herbeiführe, oder aber mich bewusst dafür entscheide, meinen Schweinehund zu füttern.

Voraussetzung ist, sich auf das Spiel einzulassen und das eigene Leben aus der Sicht des Spielers zu betrachten. Geschieht das, macht das Spiel, wie so viele Spiele, richtig Spaß.

Wer glaubt, dass Spielen und Ernsthaftigkeit nicht zusammengehen, der beobachte einmal Kinder. Kinder nehmen ihr Spiel sehr ernst, sind emotional sehr involviert UND haben Spaß bei Sache. Und wer schon einmal von einem Kind zurechtgewiesen wurde, weil man sein Spiel, aus seiner Sicht, nicht ernst genommen hat, der versteht, dass Spiel nicht mit fehlendem Ernst gleichzusetzen ist.

Und jetzt spielen wir!

Mein morgendliches Thema war es, die Kinder pünktlich vor der Schule abzusetzen. Im Zusammenhang mit meinem Ziel „pünktlich“, erlebe ich jedoch morgendlich wiederkehrende Verzögerungselemente, die mich offen gesagt oft zur Weißglut treiben 🙂

Aber gut! Neues Spiel, neues Glück!

Wie spiele ich mein Spiel „zur Schule bringen“ heute? Nicht verlieren oder gewinnen?

Nicht verlieren, bedeutet für mich pünktlich an der Schule sein. Spaß hätte ich dann aber aller Wahrscheinlichkeit nicht. Spielen, um zu gewinnen, könnte heißen, den Morgen entspannt gestalten, die Kinder gut gelaunt und pünktlich an der Schule absetzen und danach entspannt das nächste Spiel, meine Arbeit, zu beginnen. Spätestens nun wird mir klar, dass ich eine andere Strategie einschlagen muss, wenn ich das Spiel gewinnen will. Ich muss mich entschieden: Gewohnheitsmäßig den Schweinehund füttern ODER neue Spielregeln für alle – auch für mich!

Was will ich wirklich? Pünktlich und gute Laune oder reicht mir pünktlich?

Zur Freude meines Klavierlehrer hier ein weiteres Beispiel. Schlechten Gewissens bin ich heute Morgen zum Unterricht. Ich habe lange nicht geübt und hätte so einige Entschuldigungen im Ärmel gehabt. Nach dem Unterricht fragte ich mich:

„Lerne ich, um nicht zu verlieren, oder will ich nicht doch lieber gewinnen?“

Mal ehrlich: Heute Morgen hatte ich das Gefühl ich spiele, um nicht zu verlieren. Deswegen die Spielregeln aber schon heute ändern? Mein Schweinehund jammert und kaut mir sämtliche Entschuldigungen vor. Ob ich die Kraft aufbringen möchte, um meinem Schweinehund zu trotzen? Dessen bin ich mir heute unsicher, aber ich fühle, dass mir geänderte Spielregeln (nämlich mehr üben) auch mehr Freude bringen würden.

Der Tag ist noch nicht zu Ende und ich erfreue mich weiter an diesem netten Spiel. Amüsiert, erstaunt und dankbar, dass eine einfache Frage, immer und immer wieder gestellt, uns gewohnte Konditionieren vor Augen halten kann, beglückt mich. Zudem motiviert mich dieses Spiel dazu schnellere Entscheidungen zu treffen. Dies wiederum führt dazu, dass ich mich unmittelbar anders verhalte oder aber bewusst bei meinen alten Gewohnheiten verweile.

Vielleicht inspiriert dich mein Spiel auch dazu, die alltäglichen Dinge des Lebens, einmal unter diesen Aspekt zu betrachten.

Ich wünsche Dir viel Spaß beim Spielen.

Deine Sabine